Leseprobe:

Max Mümmel und die Weinberge

Wie in jedem Jahr war es wieder ziemlich viel Arbeit gewesen, bis die Hasenfamilie Mümmel alle Eier für das Osterfest fertig hatte. Zunächst hatte es Lieferprobleme mit der Oberhenne Elfriede gegeben. Sie wies die Mümmels gewohnt wichtigtuerisch darauf hin, dass es jetzt eine neue EU-Verordung gebe, nach der man Eier nur dann professionell färben dürfe, wenn eine entsprechende amtliche Genehmigung vorläge. Erst als Vater Mümmel die Henne darauf hinwies, dass sein Familienbetrieb schon Eier gefärbt habe, als in Brüssel noch gar keine gelegt worden seien, war sie bereit, ihm die Ware aufgrund dieser traditionellen Ausnahmeregelung zu überlassen. Dann gab es Schwierigkeiten mit dem Kochen. Aufgrund des langen und harten Winters waren die Brennstoffpreise stark gestiegen, es hätte ein kleines Vermögen gekostet, das Wasser wie herkömmlich mit Holz heiß zu machen. Da kam den Mümmels die Nachbarschaft zu Bauer Grantelhuber zu Gute. Der hat nämlich ganz viele Kühe in seinem Stall stehen. Und die lassen, wenn sie ihr Heu gefressen haben, ganz viele Pupse, die nennt man Biogas. Und damit kann man heizen, also Feuer machen. Also warteten die Mümmels, bis Bauer Grantelhuber an einem Frühlingstag mit dem Traktor raus auf die Wiese fuhr, um die Weidezäune zu reparieren. Dann schlichen sie in den Heizungskeller, wo sie kochendes Wasser abließen, um die Eier zu kochen, ganz biologisch sozusagen. Danach wurden die Eier noch gefärbt, mit einer Speckschwarte abgerieben, damit sie glänzten und in die großen Körbe gelegt. Dort warteten sie darauf, bei den Menschenkindern verteilt zu werden. Das funktioniert so ähnlich wie bei den Briefträgern, die in ihren Bezirken allen Menschen, die dort wohnen, die Post bringen. Auch die Hasenfamilie Mümmel hatte ihr Revier aufgeteilt: Die gefährlichen Bezirke an der Straße übernahm der Hasenvater, die Hasenmutter wagte sich in die Stadtmitte, Max´ großer Bruder Moritz war für das Neubaugebiet zuständig, Max´ Schwester Melanie war für die Höfe und Häuser am Ortsrand verantwortlich und Max sollte ihr dabei helfen.

 

Als sie mit ihren Körben dort ankamen, zeigte Melanie nach oben und sagte: „Geh Du in die Weinberge, ich mache die Anwesen hier unten und wir treffen uns wieder zu Hause.” Ohne seine Antwort abzuwarten, hoppelte sie davon. Max blieb unschlüssig stehen, bewegte sich ein kleines Stück in Richtung Weinberge, machte dann aber auf seinem Stummelschwänzchen kehrt und rannte zurück in den Hasenbau.

 

Als die übrigen Mümmels dort einige Zeit später eintrafen, fanden sie ein verheultes Mäxchen vor. “Ja warum hast Du denn deine Eier nicht verteilt?” fragte der Vater streng. Max antwortete: “Ich kann doch die schönen, fröhlich-bunten Eier nicht an einen so traurigen Platz legen.“ Wieso denn traurig?” wollte seine Schwester Melanie wissen.

 

“Na was glaubt ihr denn, warum die Weinberge Wein-Berge heißen” schluchzte Max. “Ja weißt Du denn nicht, was ein Weinberg ist, Du dummer kleiner Hase?“ lachte der Vater. “Ich weiß es” unterbrach der vorlaute und oberschlaue Moritz “das ist ein amerikanischer Physiker und Nobelpreisträger, Vorname Steven.” “Diesen Weinberg muss man nur kennen, wenn man aufs Gymnasium geht, so wie Du“ wies ihn Papa Mümmel zurecht. „Oder wenn man 125.000 Möhren bei “Wer wird Hasenmillionär?” gewinnen will“ ergänzte die Hasenmutter. „Komm her, Mäxchen, ich erklär es dir.” Max kuschelte sich an seine Mama. “Also, die Weinberge, die es bei uns gibt, das sind landwirtschaftlich genutzte Flächen. Aber da wird kein Getreide oder Gemüse angebaut, sondern Weintrauben, man sagt auch Reben dazu. Und weil die Weintrauben meist am Hang wachsen, nennt man die Grundstücke Weinberge. Aus den Trauben pressen die Bauern übrigens Traubensaft und machen daraus den Wein. Das ist ein Getränk, was die erwachsenen Menschen gerne mögen.”

 

Nun wusste Max Bescheid. “Können wir uns morgen früh alle zusammen noch einmal auf den Weg machen und die restlichen Eier in den Weinbergen verteilen?” fragte er. „Es wäre doch schade, wenn die Kinder dort nichts in ihren Nestern finden, nur weil sie am Weinberg wohnen. Sonst weinen sie am Ende wirklich alle und der Wein-Berg trägt seinen Namen zu Recht.“

 

Da lachten die Mümmels und beschlossen, auch im Weinberg Eier zu verstecken. Jetzt geht mal rasch nach draußen und schaut nach, ob ihr welche findet.

Gregor Schürer

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